ÖNORM A 3800, Q1, TR1 oder EN 13501-1?
Zuletzt aktualisiert: 19.07.2026
Wer Banner, Roll-Ups, Folien oder Messegrafiken für öffentliche Einrichtungen produziert oder einkauft, stößt früher oder später auf Begriffe wie Q1, TR1, B1 oder B-s1,d0.
Spätestens wenn eine Universität, eine Gemeinde oder ein Messeveranstalter einen Brandschutznachweis verlangt, entsteht oft Verunsicherung: Manche Ausschreibungen fordern noch immer Q1 und TR1, während Hersteller heute überwiegend nur noch Zertifikate nach EN 13501-1 bereitstellen.
Doch was gilt tatsächlich? Welche Nachweise sind aktuell, welche gelten als veraltet und warum werden in Österreich trotzdem noch alte Bezeichnungen verwendet?
In diesem Beitrag erklären wir die Unterschiede verständlich und zeigen, worauf Sie bei der Auswahl Ihrer Druckmaterialien achten sollten.
Warum tauchen Q1 und TR1 heute überhaupt noch auf?
Viele Ausschreibungen in Österreich basieren auf Vorlagen, die vor vielen Jahren erstellt wurden. Deshalb finden sich dort häufig noch Anforderungen wie Q1 oder TR1, obwohl diese Begriffe aus älteren österreichischen Brandschutzregelungen stammen.
Materialhersteller prüfen ihre Produkte heute jedoch nahezu ausschließlich nach der europaweit harmonisierten EN 13501-1.
Dadurch entsteht regelmäßig eine Situation, in der moderne Materialien zwar alle aktuellen Anforderungen erfüllen, die Dokumente jedoch anders bezeichnet sind als in der Ausschreibung.
Gerade Universitäten, öffentliche Auftraggeber und Messeveranstalter übernehmen ältere Ausschreibungstexte häufig unverändert, wodurch unnötige Rückfragen entstehen.
Was bedeutet EN 13501-1?
Die europäische Norm EN 13501-1 bewertet das Brandverhalten deutlich umfassender als frühere nationale Prüfverfahren.
Sie beurteilt unter anderem:
- Entflammbarkeit
- Rauchentwicklung
- brennendes Abtropfen
- Brandfortschritt
Dadurch entsteht eine europaweit einheitliche Bewertung, unabhängig davon, in welchem Land das Material eingesetzt wird.
Für Werbetechnik sind insbesondere folgende Klassen relevant:
- B = schwer entflammbar
- s1 = sehr geringe Rauchentwicklung
- d0 = kein brennendes Abtropfen
Die Kombination B-s1,d0 gilt heute bei vielen hochwertigen Bannermaterialien als Standard.
Wie lassen sich Q1 und TR1 zuordnen?
Viele Kunden gehen davon aus, dass Q1 und TR1 völlig andere Anforderungen darstellen.
Tatsächlich lassen sich diese Eigenschaften sehr gut den europäischen Klassen zuordnen.
| Österreich | Europa |
|---|---|
| Q1 | s1 |
| TR1 | d0 |
| B1 | B |
Damit beschreibt B-s1,d0 gleichzeitig:
✔ schwer entflammbar
✔ geringe Rauchentwicklung
✔ kein brennendes Abtropfen
Die europäische Prüfung deckt diese Eigenschaften bereits vollständig ab und bewertet sie nach einem modernen, europaweit einheitlichen Verfahren.
Warum werden manche Zertifikate trotzdem abgelehnt?
In der Praxis liegt das Problem häufig nicht beim Material, sondern bei der Dokumentation.
Viele Hersteller liefern heute ausschließlich:
- EN 13501-1
- B-s1,d0
Die Ausschreibung verlangt dagegen:
- Q1
- TR1
Obwohl beide Anforderungen technisch zusammenpassen, fehlt häufig eine Erläuterung oder ein entsprechender Gleichwertigkeitsnachweis.
Gerade bei öffentlichen Auftraggebern empfiehlt es sich deshalb, neben dem eigentlichen Prüfbericht eine technische Stellungnahme bereitzustellen, welche die Zuordnung der europäischen Klassifizierung zu den älteren österreichischen Anforderungen nachvollziehbar erklärt.
Worauf sollten Unternehmen beim RollUp Materialien achten?
Nicht jede Produktbeschreibung reicht als Brandschutznachweis aus.
Vor dem Einsatz in öffentlichen Gebäuden oder bei Veranstaltungen sollten folgende Dokumente verfügbar sein:
- vollständiges Prüfzeugnis
- eindeutige Materialbezeichnung
- Zuordnung zur Artikelnummer
- Klassifizierung nach EN 13501-1
- gegebenenfalls technische Stellungnahme für Österreich
Besonders bei Handelsmarken sollte geprüft werden, ob tatsächlich ein offizielles Prüfzeugnis des Herstellers vorhanden ist oder lediglich mit einer Brandschutzklasse geworben wird.
Fazit
Die Begriffe Q1 und TR1 begegnen uns in Österreich noch immer regelmäßig, obwohl heute überwiegend nach EN 13501-1 geprüft wird.
Für viele Banner, Roll-Ups und Werbematerialien stellt die Klassifizierung B-s1,d0 den aktuellen europäischen Standard dar und deckt die früheren Anforderungen an Rauchentwicklung und brennendes Abtropfen bereits ab.
Entscheidend ist jedoch nicht die Werbeaussage eines Herstellers, sondern ein nachvollziehbares und gültiges Prüfzeugnis. Gerade bei öffentlichen Projekten empfiehlt es sich, die Brandschutzunterlagen bereits vor der Produktion sorgfältig zu prüfen.
Häufig gestellte Fragen
EN 13501-1 ist die europaweit gültige Norm zur Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen und vielen Werbematerialien. Sie ersetzt in weiten Bereichen ältere nationale Prüfverfahren.
Die Klassifizierung beschreibt drei Eigenschaften eines Materials:
- B = schwer entflammbar
- s1 = sehr geringe Rauchentwicklung
- d0 = kein brennendes Abtropfen
Diese Kombination wird häufig für hochwertige Banner, Roll-Ups und Folien verwendet.
Nein. B1 nach DIN 4102 und B-s1,d0 nach EN 13501-1 sind unterschiedliche Normen. Beide bewerten das Brandverhalten, jedoch nach verschiedenen Prüfverfahren. EN 13501-1 gilt heute als die modernere und europaweit harmonisierte Klassifizierung.
Viele Ausschreibungsvorlagen wurden vor Jahren erstellt und nie angepasst. Deshalb werden ältere österreichische Bezeichnungen weiterhin verwendet, obwohl Hersteller ihre Produkte inzwischen überwiegend nach EN 13501-1 prüfen lassen.
Nein. Für öffentliche Projekte sollte immer das vollständige Prüfzeugnis oder der offizielle Klassifizierungsbericht des Herstellers vorliegen. Eine bloße Produktbeschreibung oder Werbeaussage genügt in der Regel nicht als belastbarer Nachweis.